Die Macht der Erwartung bei Depressionen:
Depressionen sind die am häufigsten auftretenden seelischen Erkrankungen in den Industriestaaten mit stetigen Zuwachsraten. Von den depressiven Menschen gehen aber nur maximal 25% zu einem Arzt oder Psychotherapeuten. Warum ist das so? Weil der Depressive vollständig davon überzeugt ist, dass sein Zustand unveränderbar ist. Er grübelt dabei ständig über eine negative Vergangenheit und – weit gravierender – über eine hoffnungslose Zukunft.
Depression basiert auf einem Fundament aus Passivität:
Dadurch entsteht das Gefühl von Erstarrung in Zeitlosigkeit und es kommt in der Folge oft zu einer massiven Selbstabwertung. Dabei wird eine Beziehung zu sich selbst hergestellt, die davon ausgeht, dass nie etwas funktioniert. Die Betroffenen sind nicht nur anfällig für Depressionen, wenn sie mit Lebensstressoren konfrontiert werden. Sondern sie erzeugen – unbewusst und ungewollt – auch eher Stressfaktoren, die ihr Risiko für diese Störung erhöhen. Stress und Depression stehen somit in einer Wechselbeziehung.
Neuausrichtung innerhalb der strategischen Depressionsherapie:
Wir gehen davon aus, dass nicht nur die Wirkung der Vergangenheit die Gegenwart bestimmt, sondern die Gestaltung der Gegenwart bestimmt auch die Wirkung der Vergangenheit. Wir arbeiten deshalb im Gegensatz zur klassischen Psychotherapie nicht primär vergangenheitsorientiert („age regression“), sondern hauptsächlich zukunftsorientiert („age progression“). Im depressiven Klienten soll Unsicherheit bezüglich seiner Zukunft kreiert werden („Tomorrow hasn’t happened yet“).
Deshalb legen wir einen Schwerpunkt darauf, Klienten sowohl anpassungsfähigere Strategien zur Bewältigung von Lebensereignissen anzueignen als diese auch zu veranlassen, ihre eigene Rolle bei der Erzeugung von Stressereignissen zu identifizieren und zu reduzieren.
Elementar für die Therapie ist eine Umstrukturierung vom bisherigen Problemerleben: „Du bist mehr als deine bisherige Geschichte.“ Und mögliche alternative Interpretationen auf Geschehnisse als die bisherige negative zu finden: „Könnte es auch ganz anders sein…?“ Und dabei Neugier in die Zukunft zu entwickeln: „Morgen ist noch nicht geschehen“ und „Gibt es etwas, was du tun willst, was du bisher noch nie getan hast?“
Zielsetzung der strategischen Depressionstherapie:
Durch die Öffnung der Perspektive auf mögliche positive Veränderungen ändert sich die Wahrnehmung und Vorstellung des Klienten allein vom Negativen hin zu anderen Optionen. Dies sollte eine „self-fulfilling-prophecy“ in eine günstige Richtung zur Folge haben, denn die Erwartung von etwas in der Zukunft führt oft zu einer Realisierung dieser Erwartung in der Gegenwart. Dies hat der Depressive in der Vergangenheit immer wieder bewiesen – nur bisher direkt entgegen der gewünschten Richtung.
